“Meine Ernte”- Lohnt sich ein Feld?

Im Jahr 2021 haben wir uns ein 45qm Feld beim Anbieter “Meine Ernte” gemietet. Schon mehrfach sind mir die Plakate aufgefallen, jedoch kam es für uns nie in Frage, da wir ja einen eigenen Garten haben. Als wir jedoch über eBay-Kleinanzeigen eine Parzelle für einen deutlich reduzierten Preis angeboten bekommen haben, konnte der Gärtner in uns einfach nicht widerstehen. Endlich eine Möglichkeit, unsere Platzfresser auszulagern … oder?

Zuerst einmal sollten wir klären, worum es sich bei “Meine Ernte” handelt.

Die Firma bietet in Kooperation mit lokalen Landwirten die Möglichkeit, sich eine normale oder eine Doppelparzelle für eine Saison zu mieten. Diese umfassen 45qm bzw. 90qm und sind eher lang als breit aufgebaut. Die normale Breite einer Parzelle umfasst zwei Meter, was für manche Pflanzen schon sehr eng ist. Vor allem unser Feigenblattkürbis hatte einen starken Ausbreitungsdrang, weswegen es teilweise für ihn schon eng wurde.

Die Preise sind mit 229 EUR für eine 45qm und 439 EUR für eine 90qm Parzelle (Stand Januar 2022) aus unserer Sicht nicht gerade günstig. Zumal es sich um die Kosten für die Nutzung der Fläche von Mai bis November handelt. Im November also Knoblauch stecken, um ihn im Sommer zu ernten, klappt leider nicht.
Gleichzeitig muss man aber auch beachten, was man für das Geld eigentlich alles bekommt:

  • der Boden wird umgegraben (bei einer konventionellen Landwirtschaft sinnvoll)
  • es werden bereits viele verschiedene Gemüsesorten ausgesät
  • die Fläche ist von einem Zaun umgeben, sodass Tiere wenig Fraßschäden anrichten können
  • Werkzeug, Gießkannen und Wasser wird bereitgestellt
  • umfangreiche Webseite mit Pflanztipps und Ideen
  • nette Community, die einem gern hilft und wissensdurstig ist

Wir haben dank der eBay-Kleinanzeigen Anfrage nur 80 EUR für das Feld bezahlt gehabt. Trotzdem denke ich, dass wir gut vergleichen können, ob es sich lohnt oder nicht.

Beth auf unserem Feld

Eines sollte man auf jeden Fall mitbringen, wenn man ein Feld mietet: Zeit!

Hintergrund ist der, dass die Felder in der Regel konventionell bebaut wurden / werden. Das hat zur Folge, dass der Boden nicht vergleichbar mit einem Gartenboden ist, den man über Jahre gepflegt und gefüttert hat. In unserem Beitrag kannst du einmal nachlesen, wie wir unseren Boden pflegen: Beete umgraben oder nicht?

Dadurch, dass schweres Gerät über das Feld fährt verdichtet sind der Boden ab einer gewissen Tiefe automatisch. Auch ist der Humusaufbau nicht so möglich und man sieht den Unterschied wenn es geregnet hat enorm. Das Wasser stand auch beim Gießen eine ganze Weile auf der Erde, bevor es langsam, gaaanz langsam eingesickert ist. Das ist bei uns im Garten deutlich anders, wo der Boden das Wasser sehr gut aufnimmt.
Auch haben wir bei den ersten Bodenlockerungen kaum einen Regenwurm entdeckt. Wenn ich bei uns zu Hause eine Schaufel voll Erde raushole sind dort mindestes drei bis sechs Regenwürmer drin vorhanden. Wir haben dann begonnen unseren Rasenschnitt (den wir von Nachbarn bekommen haben) dort hin zu bringen, um eine kleine Mulchschicht aufbauen zu können. Das war nicht sonderlich erfolgreich, da die Fläche einfach zu groß und unser Auto zu klein war. Trotzdem hatte sich die Anzahl der Würmer gegen Mitte der Saison deutlich vergrößert. Bei den “Nachbarn” war es nicht der Fall.

Warum aber “Zeit”?
Ganz einfach: das Unkraut macht deine Pflanzen sonst platt.

Wir gärtnern seit fast vier Jahren aber so viel Unkraut habe ich im Leben noch nicht gesehen. Es war einfach unglaublich in welch kurzer Zeit unsere Jungpflanzen überwuchert wurden. Wären wir nicht alle paar Wochen mit eiserner Hand / Harke gegen den “Feind” vorgegangen hätten wir nichts ernten können.
In den Regeln von Meine Ernte steht zudem auch, dass man das Unkraut aktiv bekämpfen muss. Nur abwarten ist also auch nicht erlaubt. Sollte man bedenken. Immerhin konnten wir das Unkraut dann zum mulchen benutzen.

Des Weiteren mussten wir natürlich zum Feld fahren, um unsere Pflanzen zu gießen. Der große Vorteil in 2021 war jedoch, dass der Sommer bei uns nicht ganz so heiß war, wie in den Vorjahren. Ansonsten hätten wir bestimmt jeden Tag dorthin gemusst. So haben wir die Jungpflanzen beim Einpflanzen kräftig angegossen, dann speziell um sie herum dick gemulcht und haben sie sich dann sich selbst überlassen. Alle 3-4 Wochen haben wir sie gegossen, was zum Glück gereicht hat.

Was darf ich nicht anbauen?

Erlaubt sind fast alle saisonalen Pflanzen, die im Herbst abgeerntet oder wieder mitgenommen werden. Es gibt jedoch ein paar Ausnahmen, die explizit erwähnt werden:

So ist zum Beispiel Topinambur strengstens verboten, da er sich bekannter Weise gern ausbreitet und dann immer wieder austreibt. Das war für uns schade, denn wir hätten ihn gern dorthin gebracht, da er eine sehr pflegeleichte, robuste und leckere Pflanze ist. So musste er leider im eigenen Garten bleiben. Auch Beerensträucher oder Obstbäume sind verboten, was nachvollziehbar ist, da das Feld zum Ende der Saison im wahrsten Sinne des Wortes platt gemacht wird. Auch wenn man in der Folgesaison nochmal ein Feld haben möchte, kriegt man nicht zwangsweise das selbe. Daher macht eine langfristige Bodenverbesserung auch wenig Sinn. Leider.

Hauptsächlich haben wir also unsere Yacon, Kürbisse und einige Tomaten dort hin gebracht. Vor allem beim Anbau von Yacon sollte der Boden nach Möglichkeit locker sein, damit man sie gut anbauen kann. Daher habe ich mit einer Grabegabel und Spaten den harten Boden bestmöglich gelockert und anschließend haben wir die Pflanzen eingesetzt. Der Ertrag kann sich aber definitiv sehen lassen, oder?

Yacon Ernte

Diebstahl

Uns wurden leider eine Menge Kürbisse gestohlen. Im Grunde alle bis auf den Feigenblattkürbis, den die Diebe vermutlich nicht kannten. Da es auch den Nachbarn so ging, denke ich mal, dass es Externe waren, die einfach über den niedrigen Zaun gestiegen sind. Das sehe ich auch als einen großen Nachteil an, denn man kann sein Eigentum nicht beschützen.

Fazit

Fairer Weise muss ich sagen, dass wir das Feld bei Meine Ernte in dem Jahr hatten, als Beth hoch schwanger war. Das ist nicht ganz optimal, da sie in der Regel im Garten werkelt und sich um die Pflanzen kümmert. Trotzdem konnten wir ein klares Fazit für uns ziehen: es lohnt sich für uns nicht. Wichtig ist, dass es sich FÜR UNS nicht lohnt. Hauptsächlich ist es darin begründet, dass wir einen großen Garten mit 450qm haben.

Weitere Gründe:

  • die Kosten sind ziemlich hoch für nur eine Saison
  • einige der vor gesäten Gemüsesorten haben wir nicht benötigt (Kohl, Fenchel usw.)
  • schlechter Boden (unserer Meinung nach)
  • recht weite Anfahrtstrecke in unserem Fall (Benzinkosten & Zeit)
  • keine Möglichkeit das Beet für längere Zeit zu behalten
  • unpassende Größe mit nur 2m Breite, auf denen auch noch ein Fußweg Platz finden muss
  • knappe Saison von Mai – November
  • sehr (!) viel Unkraut
  • Diebstahl von Gemüse ist nicht auszuschließen und kommt laut Nachbarn jedes Jahr vor

Wer nicht in den Genuss eines eigenen Gartens kommt und auf der Suche nach einer Alternative zum Balkon / Fensterbankgarten ist, für den kann “Meine Ernte” jedoch absolut eine Option sein. Hier sollte man jedoch den Zeitfaktor auf keinen Fall außer acht lassen, denn Unkraut bekämpfen, Wasser geben und Ernten frisst jede Menge Zeit. Auch muss man bedenken, dass man eine mögliche Urlaubszeit überbrückt bekommt, was durch die netten Nachbarn auf dem Feld meistens möglich ist.

Wenn all dies gegeben ist und eine entsprechende Kooperation in deiner Nähe stattfindet, kannst du dir bedenkenlos ein Feld bei Meine Ernte mieten.


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Über Dennis

Mein Name ist Dennis, ich bin 38 Jahre alt und wohne zusammen mit meiner Frau Beth Eden und unserem Sohn David in Herten. Das liegt mitten im Ruhrgebiet, weswegen wir uns auch für diesen Namen entschieden haben. Seit Januar 2018 sind meine Frau und ich mit dem "Gartenfieber" infiziert und verbringen jede freie Minute damit, unser Paradies zu erschaffen.

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