Insektenhotel im eigenen Garten

Schon lange hört man in den Nachrichten, dass es den Insekten in Deutschland und in der ganzen Welt schlecht geht. Man könne dem ganzen Abhilfe schaffen, in dem man sich einfach ein Insektenhotel kauft und es in den Garten stellt. Schon würden viele Insekten ein Zuhause finden, der Garten hätte mehr Nützlinge und alle sind glücklich. Ist dem wirklich so? Der Frage gehen wir mit diesem Artikel auf den Grund und wir zeigen, was wir selbst bisher getan haben und welche Erfahrungen wir damit sammeln konnten. Auch zeigen wir, was man auf keinen Fall tun sollte.

Insektenhotel – eine gute Sache?

Es ist tatsächlich so, dass die Zahl der Wildbienen und anderen Insekten in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen ist. Der enorme Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, der fehlende Lebensraum durch die Ausbreitung des Menschen und viele andere Faktoren haben dazu geführt, dass sehr viele Insekten quasi am Stock gehen, und kaum noch Nahrung und Platz für ihre Brut finden. Da bietet es sich doch eigentlich an, ein Insektenhotel zu kaufen und es in den Garten zu hängen / zu stellen, oder?

Jain.

Schlechtes Insektenhotel

Viele Insektenhotels, die man im Handel kaufen kann sind Schrott. Bei Wildbiene.com kannst du nachlesen, wie dieser die Insektenhotels als Solche „auseinandernimmt“ und zeigt, was genau dort falsch läuft. Wir geben aber trotzdem eine kurze Zusammenfassung. Dafür habe ich mal eines dieser Exemplare aus dem aktuellen Thomas Philipps Restposten Prospekt genommen. Es hätte aber genauso gut Lidl, Aldi, der Baumarkt um die Ecke oder Amazon sein können. Sie alle verkaufen ähnliche Produkte, die Müll sind. Tut mir leid für das harte Wort, aber genau so ist es. Das ist Brennholz und mehr nicht.

Wir haben uns im ersten Gartenjahr selbst so eins gekauft, da wir es nicht besser wussten. Unsere Freude war dementsprechend groß, als die ersten Wildbienen sich das „Hotel“ angesehen haben und sogar die Röhrchen im oberen Teil bezogen. Entsprechend der fehlenden Anleitung haben wir das „Hotel“ freistehend neben unserer Kirschpflaume in den Boden gerammt, da diese die perfekte Nahrungsquelle für die früh aktiven Insekten ist. Einige Wochen später, alle Röhrchen waren besetzt, hat auch ein Specht das Hotel entdeckt. Ich war vielleicht zehn Meter entfernt, als sich besagter Vogel auf das Hotel setzte und es geleert hatte, noch bevor ich ihn erreicht hatte. Alle Larven verspeist, eine ganze Brut für das Folgejahr vernichtet. Ja, das ist auch Natur und der Vogel braucht Futter. Aber muss ich es ihm wirklich so einfach machen und die Bienen in eine Todesfalle locken?!

Ich informierte mich im Netz und fand zudem schnell heraus, warum der Bereich für die Schmetterlinge, die Marienkäfer und andere Insekten ungenutzt blieb. Weder Tannenzapfen noch diese Holzwolle sind die perfekte Umgebung für Nützlinge. Abgesehen von einer vereinzelten Spinne ist dort niemand eingezogen, weswegen man auf den Kauf definitiv verzichten sollte.

Was tun, um die Nützlinge in den Garten zu locken?

Insektenhotel

Da wir jedoch etwas für unsere Nützlinge tun wollten, haben wir uns noch einmal auf den Weg gemacht und nach den geeigneten Nisthilfen gesucht. Fündig wurden wir überraschend bei Aldi Süd. Das linke Insektenhotel haben wir 2020 gekauft und es ist fast perfekt für Wildbienen. Die unterschiedlich großen Röhren sind 10cm tief, sauber verarbeitet, sodass sich keine Biene die Flügel verletzt und ist in den letzten zwei Jahren noch nicht auseinandergefallen.

Warum fast? Ganz einfach: Auch hier ist kein Vogelschutz vorhanden. Würde man dieses Insektenhotel an einen Baum oder unter einen Carport hängen, wäre oben genannter Specht sehr schnell wieder zur Stelle und würde sich bedienen. Man muss also dafür sorgen, dass die gefiederten Freunde nicht an die leckere Mahlzeit herankommen können. Wir haben uns dafür entschieden, ein Metallregal unter unseren Unterstand zu stellen, dieses mit Kaninchendraht zu umwickeln und die Insektenhotel(s) hineinzustellen. Auf die Weise sind sie bestmöglich vor Räubern geschützt und es klappt hervorragend. Sehr viele der Plätze sind ausgebucht und jedes Jahr werden es mehr der fleißigen Bienchen, die ihre eigene Brut wieder dort ablegen.

Niströhren

Wie du auf dem Foto sehen kannst, haben wir aus alten Konservendosen und Papprollen ebenfalls Nisthilfen gebaut, die im zweiten Jahr nun auch langsam angenommen werden. Sie sind gut 20cm lang und müssen geschützt im Regal liegen, damit der Regen sie nicht aufweicht und dass keine Vögel rankommen. Die Anleitung zum Bau findest du überall auf Youtube.

Was bei unseren Insekten erst seit diesem Jahr (2022) angenommen wird, sind diese Niststeine. Wir haben sie vor rund 2,5 Jahren gekauft, da es eigentlich eine super Idee ist. Sie sind sehr langlebig und stabil aber leider zog niemand ein. Erst in diesem Jahr hat sich dies geändert, weswegen wir doch eine Empfehlung dafür abgeben können. Ich habe den Artikel daher geupdated. Wir haben unsere Steine von Wildbiene.com und hatten damals 26 EUR pro Stück plus Versand bezahlt gehabt.

Bienensteine von Wildbiene.com

Das richtige Angebot

Ähnlich wie beim Wohnungsmarkt muss man auch beim Insektenhotel aufstellen auf die Bedürfnisse seiner Mieter eingehen. Ist man selbst zum Beispiel der Nähe zu einem Supermarkt sehr angetan, sind es Bienen einer Futterquelle gegenüber. Vor allem Wildbienen fliegen nicht so weit, wie die Honigbiene und brauchen in einem relativ engen Radius ein gutes Nahrungsangebot. Das bedeutet, dass man Blumen und Sträucher / Bäume haben sollte, die zu dem Zeitpunkt blühen, wenn die kleinen Insekten erwachen.

Als sehr beliebt haben sich bei uns Krokusse, Traubenhyzantien, Narzissen, Kirschpflaume (Mirabelle ist ähnlich früh) und unsere japanische Pflaume erwiesen. Aber auch Löwenzahn ist sehr beliebt und der wächst ja bekanntlich überall. Die kleinen Bestäuber sind emsig zwischen Pflanze und Insektenhotel unterwegs, um Pollen für ihre Brut einzulagern.

Des weiteren sollte die Öffnung des Insektenhotels vorzugsweise Richtung Süden ausgerichtet sein. Denke, dass es nicht auf ein paar Grad ankommt, da unseres trotz relativer Südausrichtung sehr gut besucht ist.

Zusammenfassung zum Thema „Insektenhotel“

  1. Das richtige Insektenhotel kaufen oder selber bauen (Anleitungen gibt’s auf Youtube)
  2. Der Standort (Witterungsgeschützt, Schutz vor Räubern, Süd / Südost Ausrichtung)
  3. Nahrungsangebot in Form von Blühpflanzen schaffen

Kann man sonst noch was tun?

Ein Großteil der gefährdeten Arten sind leider bodennistend, sodass diese das Insektenhotel überhaupt nicht beachten. Sie brauchen ein sogenanntes Sandarium, in dem sie ihre Eier ablegen können. Wir werden in 2022 mal versuchen, so etwas zu bauen und dann einen extra Artikel dazu schreiben. Es lohnt sich also, den Newsletter zu abonnieren und uns zu folgen.


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Über Dennis

Mein Name ist Dennis, ich bin 38 Jahre alt und wohne zusammen mit meiner Frau Beth Eden und unserem Sohn David in Herten. Das liegt mitten im Ruhrgebiet, weswegen wir uns auch für diesen Namen entschieden haben. Seit Januar 2018 sind meine Frau und ich mit dem "Gartenfieber" infiziert und verbringen jede freie Minute damit, unser Paradies zu erschaffen.

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