Bokashi anlegen

Was zuerst sehr merkwürdig klingt, ist eine sehr gute Kompostalternative für den Garten. Die Rede ist von Bokashi. Dieser stammt ursprünglich aus Japan und beschreibt den Fermentationsprozess von Gemüseresten durch die Zugabe von effektiven Mikroorganismen (EM). Fermentation mag der eine oder andere bereits vom Sauerkraut oder Kimchi kennen. Aber dass dies auch für den Garten sinnvoll ist, konnten wir uns erst einmal nicht vorstellen.

Im Artikel „Kostenloser Dünger für den Garten“ haben wir ja bereits einige Möglichkeiten vorgestellt, wie man kostenlos an Dünger für den Garten kommt. Besonders der Kompost ist ja im Grunde das Herzstück der Kreislaufwirtschaft im eigenen Garten. Dort entsteht das schwarze Gold, das unsere Pflanzen so lieben.

Als Ruhrpottler fragen wir uns daher beim Thema Bokashi zu aller erst:

„Watt is‘ dat und brauch ich dat wirklich?“

(Deutsch: Wird dies wirklich für meine Gartenarbeit benötigt?)

Dass Sauerkraut (und Kimchi) sehr gesund sein sollen, weiß glaube ich jeder. Zeitgleich ist aber das Futtern von rohem Weißkohl nun vitamintechnisch nicht so der Bringer. Geschmacklich lassen wir mal ganz außen vor. Was macht aber nun Weißkohl zu Sauerkraut? Richtig: die Fermentation.

Hierbei setzen anaerobe Mikroorganismen (leben ohne Sauerstoff) das pflanzliche Material zu einer deutlich besser verdaubaren Masse um. Bei diesem Prozess erzeugen sie ganz nebenbei noch „Abfallprodukte“, die für uns Vitamine darstellen. Daher auch der hohe Vitamin C Gehalt von Sauerkraut. Das gleiche Ausgangsmaterial hat nun einen deutlich höheren Nährwert.

Dieses Prinzip wird auch bei der Bokashi Herstellung genutzt. Durch effektive Mikroorganismen (EM) werden die Küchenabfälle fermentiert und somit deutlich wertvoller als noch zuvor.

Was brauche ich alles?

Als erstes braucht man einen (besser zwei) sogenannten Bokashi-Eimer (*). In diesen kommt das Gemüsematerial hinein und am Ende Bokashi raus. Zusätzlich werden Effektive Mikroorganismen (EM) (*) benötigt. Die gibt es wahlweise als Flüssiglösung oder als Substrat. Das war es im Grunde schon. Die üblichen Utensilien wie ein Messer oder Mixer sollten eh in der Küche vorhanden sein.

Kaufen kann man dieses Zubehör problemlos im Internet, wobei die Preise deutlich variieren. Stand Februar 2021 kosten zwei Eimer im Starterset inkl. effektiven Mikroorganismen knapp über 60 EUR, während sie bei anderen Verkäufern deutlich über 100 EUR kosten. Ein Preisvergleich lohnt sich. Wir haben für unsere beiden 70 EUR gezahlt gehabt.

Wie setzt man Bokashi an?

Damit die effektiven Mikroorganismen ihren Job bestmöglich erledigen können, ist es wichtig, dass die Gemüsereste möglichst klein geschnitten sind. Das geht am besten mit einem Messer oder alternativ einem Mixer (nicht zu lange, sonst ist‘s nur noch Brei). Diese werden dann in den Bokashi-Eimer gegeben und anschließend per Sprühflasche mit den EM besprüht. Hierbei ist es wichtig, dass das Pflanzenmaterial schön zusammengedrückt wird. Die Luft sollte raus. Das wiederholt man, bis der Eimer komplett voll ist.

Sobald der Eimer komplett gefüllt ist, lässt man ihn ca. zwei Wochen an einem warmen Standort stehen. Dank der Konstruktion des Eimers läuft der Fermentationssaft in den Auffangbehälter unter dem Pflanzmaterial und kann problemlos entnommen werden. Dieser ist ein perfekter Dünger für Zimmerpflanzen oder soll auch als Reiniger sehr gut sein. Letzteres haben wir noch nicht versucht, aber als Dünger haben wir ihn den ganzen Winter über genutzt.

Dazu nimmt man 50ml des Fermentationssaftes und gibt diese auf 10 Liter Wasser. Anschließend gießt man damit die Blumen, Gemüsepflanzen etc.

Sind die zwei Wochen nun um, die wir den Eimer haben stehen lassen, kann der Bokashi weiterverarbeitet werden. Wer nun den Deckel öffnet und schwarze Erde erwartet, wird wohl sehr enttäuscht sein. Das ganze Konstrukt sieht kaum verändert aus und riecht (wenn alles richtig gemacht wurde) fast wie Sauerkraut.

Bokashi vererden

Damit aus Bokashi nun schwarze Erde wird und man ihn für den Garten benutzen kann, muss er vererdet werden. Das bedeutet, dass man das fermentierte Material nun entweder direkt ins Beet eingräbt oder vorerst in den Kompost packt. Die Bodenlebewesen lieben das fermentierte Material und werden sich innerhalb kürzester Zeit darüber hermachen. In wenigen Tagen wird beinahe alles zersetzt sein. Einzig große Stücke, die man nicht klein genug geschnitten hat (bei uns waren es fingerdicke Kartoffelscheiben) bleiben übrig. Der Boden hat an der Stelle nun eine sehr gute Qualität und muss in dieser Saison nicht mehr gedüngt werden.

Wenn man das ganze den Winter über macht und seinen Kompost auf Trab bringen möchte, kann man das fermentierte Ergebnis auch einfach in den Kompost reinpacken. Etwas unterarbeiten und Erde oben drauf. Dann geht die Party da drin richtig ab. Können wir nur empfehlen.

In der Zeit bis der erste Bokashi Eimer „reif“ ist, ist der zweite mindestens zur Hälfte gefüllt, sodass man wirklich Gas geben muss.

Wichtig zu wissen ist, dass die EM am besten arbeiten, wenn die Temperaturen über 20 und unter 35 Grad sind. Im Winter also keinesfalls nach draußen, da wird dann nichts passieren.

Was sind die “Nachteile”?

Ein „großer“ Nachteil ist, dass man regelmäßig die effektiven Mikroorganismen nachkaufen muss. Man kann sie auch selbst mit Rübensirup und Wasser vermehren, aber kann man ohne Labor nicht prüfen, ob es wirklich das Verhältnis ist, das auch vorher drin war. Es kann also sein, dass man gar nicht alle EM vermehrt und somit ein „falsches Verhältnis“ hat.

Beim „Vererden“ des Bokashis muss drauf geachtet werden, das Material nicht zu nah an bestehende oder junge Pflanzen heran zu setzen. Es ist „sauer“ und würde die Pflanzen schädigen. Erst wenn es von den Lebewesen umgesetzt wurde, ist es perfekter Dünger. Man braucht also noch Platz, um das Material vererden zu lassen. Einfach gelöst geht dies, indem man das Bokashi-Material vor der Maipflanzung im Garten ausbringt. Dann ist es locker bis Mai zersetzt.

Zudem haben Studien meines Wissens nach gezeigt, dass bei der konventionellen Landwirtschaft keine nennenswerte Ertragssteigerung durch den Einsatz von EM im Vergleich zum Weglassen eingetreten ist. In wie weit man dort aber auf lange Sicht vielleicht doch höhere Erfolge erzielt hätte, weiß man natürlich nicht. Mit Sicherheit liefen die Studien nicht über 20 oder 30 Jahre und haben nicht die Naturverbundenheit nutzen können, die wir Privatgärtner einsetzen.

Wenn ich unsere Beete mulche und mit Bokashi, Kompost, Brennesseljauche etc. arbeite, dann geht es dem Bodenleben um ein vielfaches besser, als wenn ich eine riesige „Monokultur“ mit schweren Maschinen auf die Felder bringe. Das sind zwei Sachen, die man einfach nicht zu hundert Prozent vergleichen kann.

Mein Vorschlag ist: testet es einfach aus. Die Bokashi Eimer kriegt man ab und an auch bei ebay-Kleinanzeigen zu einem guten Kurs oder spart darauf hin. Wir selbst sind vom Bokashi überzeugt und werden es 2021 auch im dritten Jahr nutzen.

Zusammenfassung Bokashi

Wir sind sehr mit dem Bokashi zufrieden. Er ist schnell umgesetzt, erfordert kaum zusätzliche Arbeit und kann bequem in der Küche stehen. Da riecht und fault nichts. Zudem muss man nicht immer bis in den Garten laufen, um alles auf den Kompost zu werfen. Des Weiteren verbessern die effektiven Mikororganismen das Ausgangsmaterial deutlich und werten somit den Boden auf. Man tut seinen Regenwürmern und anderen Gartenhelfern etwas Gutes und die sorgen dafür, dass es den Pflanzen gut geht.

Des Weiteren erhält man „kostenlosen“ Flüssigdünger für die Pflanzen. Also im Grunde jede Menge Vorteile.

Nutzt du bereits Bokashi und wenn ja, welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Schreib es uns doch gern in die Kommentare. Vergiss zudem bitte nicht, dich für unseren kostenlosen Newsletter anzumelden, um nichts mehr zu verpassen.

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Über Dennis

Mein Name ist Dennis, ich bin 37 Jahre alt und wohne zusammen mit meiner Frau Beth Eden in Herten. Das liegt mitten im Ruhrpott, weswegen wir uns auch für diesen Namen entschieden haben. Seit Januar 2018 sind meine Frau und ich mit dem "Gartenfieber" infiziert und verbringen jede freie Minute damit, unser Paradies zu erschaffen.

3 Kommentare

  1. Hallo Dennis hast du Toll erklärt. Vielen Dank, ich hatte gehofft das kann es Vielleicht ohne extra Zubehör erstellen kann…. Naja Pustekuchen ‍♀️.

  2. Pingback:Wurmhumus (schwarzes Gold?!) - Garten im Ruhrpott

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